Zwischen zwei Deckeln Beiträge

14. Mai 2026 /

In seinem Buch „Meinungsfreiheit: Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen“ warnt Ronen Steinke davor, dass der deutsche Staat das Recht auf freie Rede immer stärker reguliert und einschränkt. Was ursprünglich als Schutz vulnerabler Gruppen begann, führt heute zunehmend zur Kriminalisierung von harmlosem Spott. Ob Hausdurchsuchungen wegen beleidigender Memes oder Strafbefehle für kritische Äußerungen über Politiker*innen – die Grenzen der Strafbarkeit haben sich massiv verschoben. Steinke zeigt auf, wie vage Paragrafen zur Beleidigung oder „Gefährdung des öffentlichen Friedens“ genutzt werden, um unliebsame Meinungen zu sanktionieren. Dabei schützt das Grundgesetz eigentlich jede Meinung, unabhängig von ihrem Wert oder ihrer Rationalität. Steinke fordert daher eine Rückkehr zur „robusten Zivilität“: Eine lebendige Demokratie muss anstrengenden Streit aushalten können, ohne dass sofort die Justiz einschreitet. Das Buch ist ein Plädoyer für eine Gesellschaft, in der Wahrheiten diskutiert und nicht staatlich verordnet werden.

23. April 2026 /

In seinem Buch „Survival of the Richest“ beschreibt und analysiert Douglas Rushkoff ein spezifisches Mindset, das insbesondere im Silicon Valley dominiert. Dieses Mindset zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, nichts mit der konkreten Welt, wie sie ist, zu tun haben zu wollen. Stattdessen wünschen sich die Techbros eine Welt nach ihren Vorstellungen, in der sie möglichst wenig von der Realität, anderen Menschen oder den Konsequenzen ihres Handelns belästigt werden.

2. April 2026 /

Hanno Sauer argumentiert in seinem Buch „Klasse. Die Entstehung von oben und unten“, dass Klassenhierarchien zu den einflussreichsten Strukturmerkmalen moderner Gesellschaften gehören. Klasse ist für ihn keine Frage des Geldes, sondern sozial konstruierte Knappheit – ausgefochten in Wettbewerben um Geschmack, Moral und symbolisches Ansehen. Das Unbequeme an Sauers These ist, dass sich diese Hierarchien nicht beseitigen lassen, sondern dass sie sich sogar verschärfen.

12. März 2026 /

Seit dem 19. Jahrhundert sind Nationen darum bemüht, sich zu vermarkten. Wie sich dieses sogenannte „Nation Branding“ entwickelt hat, beschreibt Jessica Gienow-Hecht in ihrem Buch „Vom Staat zur Marke“. Dabei wird klar, dass alle Staaten darum bemüht sind, positive Außendarstellungen zu erzeugen. Große Staaten tun dies genauso wie kleinere und postkoloniale Staaten, die überhaupt erst einmal auf der „internationalen Landkarte“ anerkannt werden wollen.

19. Februar 2026 /

In seinem Buch „How to Think Like a Philosopher“ bietet Julian Baggini 13 Orientierungspunkte für “gutes Denken”. Das besondere ist, dass er diese Punkte nicht von einem theoretisch-systematischen Ideal ableitetet, sondern aus einer pragmatischen Sicht auf die Realität und Komplexität der Welt. Unter diesen Bedingungen will er uns helfen “gut” zu denken.

29. Januar 2026 /

Warum regieren Zahlen den öffentlichen Sektor – und zu welchem Preis? In „The Tyranny of Metrics“ analysiert Jerry Z. Muller die allgegenwärtige Fixierung auf Kennzahlen und zeigt, warum „mehr messen“ nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt. Der Autor beleuchtet, wie Datensammlung und Reporting den administrativen Aufwand erhöhen, Anreize verschieben und Verhalten verändern. Metriken bilden Realität nicht nur unvollständig ab, sie formen sie mit. Entscheidend ist daher nicht, ob gemessen wird, sondern wie. Muller liefert praxisnahe Kriterien, um zu beurteilen, wann Kennzahlen sinnvoll steuern – und wann sie Kontrolle, Qualität und Vertrauen untergraben.

8. Januar 2026 /

In „Zerstörungslustlust – Elemente des demokratischen Faschismus“ stellen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey heraus, dass die politische Gegenwart von einem Rechtsdrift geprägt ist. Seine zentrale Antriebskraft ist die Sehnsucht nach Destruktion, motiviert durch den Wunsch, die liberale Gegenwart zu Fall zu bringen. Die Kernversprechen der Moderne sind für viele Menschen leer geworden und das soziale Aufstiegsversprechen gilt für die Mehrheit als hohl. Das hat den Aufstieg des Phänomens befeuert, den die Autor*innen Demokratischen Faschismus nennen. Dieser ist zwar in der Demokratie verankert, aber untergräbt ihre Grundlagen.

18. Dezember 2025 /

In „I Want a Better Catastrophe“ stellt sich Andrew Boyd der unvermeidlichen Realität, die die Klimakatastrophe in den nächsten Jahrzehnten bedeuten wird: Große Teile der Erde werden
unbewohnbar werden, die Zivilisation, die wir heute kennen, wird sich nicht länger halten können und wir werden unermessliches Leid erleben. Wie, fragt sich Boyd, lässt sich da noch ein Sinn im Leben finden?

27. November 2025 /
6. November 2025 /

Wir nutzen unser Jubiläum, um kurz auf 100 Episoden zurückzublicken und das Thema zu diskutieren, das schon die letzten vier Episoden bestimmt hat: Künstliche Intelligenz.