028 – Die Realität der Massenmedien von Niklas Luhmann

Auch in dieser Episode wird es wieder historisch, auch wenn wir nicht ganz so weit zurückblicken. Dafür haben wir aber zum ersten Mal einen Autor ein zweites Mal in einer Episode. Und wem könnte diese Ehre besser gebühren, als Niklas Luhmann? Nach Ökologische Kommunikation in Episode 4 stellt uns Christoph jetzt Die Realität der Massenmedien vor.

Darin entwirft er ein Bild der modernen Medien, das noch quasi in Gänze ohne die Entwicklungen des Internets auskommen muss. Kern des Buches ist die Idee, dass wir alles, was wir wissen, durch die Massenmedien wissen. Sie gestalten einen gesellschaftlichen Informationsvorrat auf den wir alle zurückgreifen und dessen Kenntnis wir anderen unterstellen.

Shownotes

Mehr Literatur

Quellen und so

  • Intro und Outro der Episode stammen aus dem Stück Maxixe von Agustin Barrios Mangore, eingespielt von Edson Lopes (CC-BY).
  • Das Umblättern zwischen den Teilen des Podcast kommt hingegen von hoerspielbox.de.

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Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Eldhoverd
    3. Juni 2021
    Antworten

    Tach Deckler, Doppeldecker, Gedeckelte,
    wie sacht man denn richtig zu euch?

    Wenn Christoph noch einmal Luhmann vorstellt (Die Gesellschaft der Gesellschaft? Das System der Gesellschaft – auch mal was mit Umfang;-) ), dann wird er zum Luhmannianer, emergent unhitnergeh- und unwiderrufbar!!!
    Bin es nicht, dennoch – so beobachtet – erschreckend vertraut mit der Theorie sozialer Systeme, nachdem ich dazu mal eine Hausarbeit schrieb; einen sog. Praxisbericht, durch den die Theorie frech exemplifiziert worden ist. Das hilft, um reinzukommen, auch wenn es Luhmann ggf. irritieren würde: über Empirie vertieft in die Theorie gelangen zu können. Davon ab keinmal mehr direkte Kontakte – bis auf eine Mündliche, wo ich diese psychosystemischen Individuen in den Untiefen der Theorie aufspürte, die es nämlich wirklich gibt, wenn sie auch wie in Dantes Höllenschlund dort „als Individuum zur Autonomie verdammt“ sind. Frage: Nachklänge (neo?)liberaler Grundhaltung, die sich da in die Theorie eingeschlichen haben? Durkheim hätte so einen unorganischen Unsinn nie toleriert!

    Beruhigend im Übrigen, dass auch ihr kreuz- und quer lest und sich dann auch mal Bücher anstapeln. Bei mir v.a. zuletzt ein in sich gewiss nicht kohärenter Themenhaufen – interessant aber allemal.

    Zur Folge: Sehr gute Diskussion, gerade durch eure stete Aktualisierung zu all dessen, was Luhmann per se nicht wissen und kennen konnte (Internet, außer er wäre Nerd gewesen – quod erat non demosntrandum) oder skurril anmutend ignorierte (Fernsehen).

    Wenige Einwürfe meinerseits, damit die ergänzende Lektüre nicht zu knapp wird:
    1. Leider nur exklusiv hinter PayWall der Artikel von Niels Boeing bei ZON zur Nachrichtenübermittlung „Milliarden Menschen sind heute miteinander vernetzt. Wie kamen wir bloß bis hierher?“
    https://www.zeit.de/zeit-wissen/2021/03/nachrichtenuebermittlung-kommunikation-geschichte-internet-briefe

    2. Aspekt Werbung: Rezension zu „Influencer. Die Ideologie der Werbekörper“ von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt – von Moritz Plewa auf Soziopolis
    https://www.soziopolis.de/mit-adorno-auf-instagram.html
    Die Autoren zeichnen den Influencer als schillernde wie prägende Sozialfigur unserer Zeit nach – Zitat: „Die Influencerin ist zweifelsohne eine, wenn nicht gar die Sozialfigur unserer Gegenwart. Als solche stellt sie einen sozialen Prototyp derjenigen Subjektformen dar, die in der Kulturökonomie des digitalen Kapitalismus reüssieren.“ Influencing gerinnt personalisiert so zu einer eigenen, zeitgemäßen Form der Werbung – auch die Luhmann nicht antizipieren konnte.

    3. Aspekt Unterhaltung: Bezogen auf (durchaus auch SF)Romane den Satz, dass sie „Maschinen zur Erzeugung von Interpretationen“ seien. Frei nach Baudrillard sind sie damit optimaler Bestandteil einer Simulationsgesellschaft und ihrer Vielzahl an (Ineinander)Verweisungsebenen. Wenn es um die Interpretation geht, geht es notwendig nicht mehr (primär, nur noch zierend sekundär) um unmtitelbare Verweise auf die Realität, so gut sie erfassbar ist, sondern von vornherein um die interpretative Schicht, die sich darüber sedimentiert. Erlese es beispielhaft zur Zeit an Bernard Cornwells historisierender Arthur-/Artus-Trilogie, wo er romanesk ausleuchtet, wie REALISTISCHERWEISE ein wissenschaftlich nicht mehr greifbarer historischer Arthur gelebt und gewirkt haben mag. Und doch fließen wiederum so viele (unterhaltungsabverlangte) narrative Eigenheiten mit ein, weil am Ende die Trilogie sich an heutige Leser*innen richtet, dass es schon deshalb eine Interpretation vieler vorhergegangener Interpretationen ist – mit etwas mehr, SEHR LESENSWERTER Tuchfühlung an die wilde poströmische Zeit Britanniens. So könnte es gewesen sein, genauso gut wie das Mittelalter GoTesk gewesen ist
    https://www.uibk.ac.at/events/info/2021/tagung-beyond-the-wall.html

    4. Aspekt Nachrichten: dringende Leseempfehlung – Neil Postman: Wir amüsieren uns zu Tode. Zwar von 1985, damit aber Zeitgenosse Luhmanns, dieser wohl manch Zitat erentgneommen hat, indem er sich vom TV abwandte. Ein paar Zitate Postmans bei Wiki
    https://de.wikipedia.org/wiki/Neil_Postman
    WAUZT wirklich sehr lesenswert (für alle „TV-Kinder“), gerade weil er es so kritisch in den Blick nimmt als DAS Medium seiner Zeit, das für die (passiven) Zuschauer Einblicke in die Welt vermittelt. Spannend aber auch sein Nachzeichnen zurück zur Erfindung der Telegrafie, womit die Zeittaktung eine gänzlich neue geworden sei und innerhalb dieser verkürzten Takte vieles erst zur „Nachricht“ wurde, wovon man zuvor nie was gehört hatte, sich auch nie dafür interessierte und auch nicht ahnte, dass man sich dafür interessieren könnte. Beispiel sinngemäß, dass auf einmal telegrafisch zur mitteilsamen Nachricht wurde, dass und wie es der britischen Königin denn so ergehe und zwar just jetzt in dem telegrafierten Moment. The medium is the message und geht einher mit dem Zwang, es A) zu nutzen und B) in der darüber möglichen Frequenz. TAGTÄGLICHE Nachrichten aus der Ferne wurden über dieses Medium überhaupt erst „erfunden“, weil möglich. Zuvor am Schnellsten die Brieftaube oder ein reitender Kurier; sodann als Transportmedium Züge, deren Weg jedoch wesentlich umständlicher und niemals überall hinführend erst einmal zu bahnen war. Usw.

    Kurzum: Die medialen Infra- als informationelle Ermöglichungsstrukturen ihrer jeweiligen Zeit sind prägend, wenn nicht in stärkstem Maße pfadabhängig machend, was wie (und als was) kommuniziert wird.
    Und dann noch ein Verweis auf ein m.E. ganz ausgezeichnetes Buch: Harald Welzer – Das kommunikative Gedächtnis. In sozialpsychologischer Stoßrichtung ergründet Welzer, wie sich zunächst ein individuelles Gedächtnis ausbildet und ausbilden kann (physisch/neuronal) mit einem als Ich adressierbaren Autobiografischen Gedächtnis ETWA ab 3 Jahre. Schon das sozial qua Kommunikation gespeist und überhaupt erst erzeugt, nimmt es dann zunehmend – durchaus im Luhmannschen Sinne – als kommunikativer Partizipant teil, speist und wird gespeist. Sehr anschaulich, wie sich gerade durch massenmedien auch skurrilste „Fehlgedächtnisse“ herausbilden können: wo bspw. Soldaten vom Zweiten Weltkrieg berichten, was sie selber erlebt und erlitten haben, sich zwecks kommunikativer Anschlussfähigkeit und ganz sicher unbewusst aber oftmals allgemein veranschaulichter Filme als Referenz bedient haben, die zunehmend aber ins eigene Gedächtnis einsickerte. Folge, dass sie vielmehr von den allseits bekannten Film(inhalt)en erzählten als von sich, weil beides ineinander überging, sich vermischte. Aus „ich erlebte Vergleichbares, veranschaulicht wie in Film XY“ wird dann mitunter „ich erlebte XY“. Aus der anschaulichen Stütze kann dann das eigene Bein werden, auf dem die Erzählung fußt.

    Bis hierhin
    Gruß
    Dominic

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