036 – Exklusion und Inklusion von Rudolf Stichweh

Wenn euch unsere letzten Episoden zu praktisch und angewandt waren, ist diese Episode definitiv was für euch. Es geht in die Untiefen der soziologischen Systemtheorie:

Rudolf Stichweh versammelt in „Inklusion und Exklusion“ verschiedene Aufsätze aus systemtheoretisch-soziologischer Perspektive. Er erfasst Inklusions- und Exklusionsprozesse als soziale Phänomene, die überall in der Gesellschaft vorkommen, unfassbar viel Komplexität reduzieren und gesellschaftliches Leben häufig gerade erst möglich machen. Dabei geht es immer um die Einbeziehung von Personen in die globalisierten Funktionssysteme. Daneben gibt es Schattenseiten, die wir alle kennen: so erscheint gesellschaftliche Exklusion als verketteter Prozess, der selten nur einen Lebensbereich betrifft.

Shownotes

Mehr Literatur

Quellen und so

  • Intro und Outro der Episode stammen aus dem Stück Maxixe von Agustin Barrios Mangore, eingespielt von Edson Lopes (CC-BY).
  • Das Umblättern zwischen den Teilen des Podcast kommt hingegen von hoerspielbox.de.

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Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Eldhoverd
    13. März 2022
    Antworten

    Tach.
    Sehr spannende Präsentation und Erörterung. Erstmals technisch etwas schlechter, v.a. Nils klang z.T. deutlich leiser und gleich so, als käme er weniger gut zu Wort.
    Zunehmend interessante soziale Kreise, die sich da in dir schneiden, Nils. SF&Fantasy dort ohnehin, (nicht nur) Soziologie hier und nun auch noch ein zartes Gefühl (nicht nur) für Schwatzgelb. Der Omegapunkt ist nahe;-) Und im Luhmannator fliegt Christoph über all das hinweg.
    Eventuell kann ich zu deinen, Nils, irritierten drei Fragezeichen etwas orientierendes beitragen. Du kritisiertest „konzeptionelle Irrwege“ (sinngemäß) bei der Systemtheorie in Sachen Staatsbürgerschaft. M.E. ist das konzeptionell blitzsauber, da sich die Exklusion dort und Inklusion da auf zwei Ebenen beziehen, weshalb das paradox anmutende möglich ist – Paradoxien ohnehin Luhmanns Leidenschaft.
    Ein Individuum kann auf der Ebene der SUB-Systeme der Gesellschaft (mitunter multipel) exkludiert (worden) sein, um auf der (nationalstaatlich formierten) Ebene des Systems der Gesellschaft als Staatsbürger*in jedoch inkludiert zu bleiben. Hierüber wären dann (von mir) sozusagen „Exklusionskompensationen“ möglich, eine gesamtgesellschaftliche (Total)Exklusion wäre so vermeidbar, so schwer dem Individuum die subsystemischen Exklusionen auch ins Kontor schlagen und sich als Einsamkeit(sgefühle) psychosystemisch niederschlagen.
    Wollte man daher sprachlich stetig feiner unterscheiden, müsste man bei der Nennung von In-/Exklusion stets die Ebene präfixen, so von wegen: Sub-/Hauptin- oder -exklusion.
    WENN DENN das System der Gesellschaft sozial-/wohlfahrtsstaatlich demokratisiert und nicht schon hinfort neoliberalisiert ist oder in der Form einer Autokratie oder Diktatur individuenabgewandt hierfür ohnehin kein „Programm“ mehr betreibt. Bin nicht proaktiver Systemtheoretiker, daher weiß ich nicht, wie genau solche da zwischen den real existierenden Systemen der Gesellschaften überhaupt unterscheiden in einer nationalstaatlich geordneten Welt.

    Deine Irritation bzgl. Publikums- und Leistungsrolle, so wie es mir klang, lässt sich auch auflösen: Zumindest klang es mir so, als ob du verstündest, man sei doch eigentlich immer Publikum, da man doch irgendwie immer mitbekommt und – noch so indirekt – davon hört oder/und von den Auswirkungen betroffen wird; notfalls doch als Massenmedien-Publikum.
    So von wegen: als noch so strammer Dawkins’scher Atheist bin ich doch notgedrungen, wider Willen und zunehmend entsetzt Publikum der schieflagigen Ausformungen im Subsystem Religion, wenn religiöse Fundamentalisten umherziehen oder vermeintliche fromme Priester übergriffig werden usf. usw.
    DOCH: i.a.R. bekommt man davon nur massenmedial
    https://zwischenzweideckeln.de/028-realitaet-der-massenmedien-niklas-luhmann/
    mit. Und Massenmedien als Konglumerat ist Subsystem der Gesellschaft an und für sich. D.h., wer nur massenmedial mitbekommt, also nicht tatsächlich direkt involviert ist, ist nur Partizipant des/dieses einen Subsystems Massenmedien, wo man als Publikum (inter)passiv liest/Hört/zuschaut, wovon die Leistungsrollenträger*innen des Subsystems Massenmedien künden. Künden ÜBER die übrigen Subsysteme und das Tun und Treiben dort. Vermittels Massenmedien beobachtet man in zweiter Ordnung nur, was die Leistungsträger*innen der Massenmedien in anderen Subsystemen beobachten.
    Du bleibst als noch so herzblutmitfiebernder Borusse solange „nur“ massenmediales Publikum und in dieser Rolle, wie du BVB-Spiele „nur“ massenmedial per 1001 Receiver verfolgst/konsumierst. Sobald du bspw. ins Stadion gehst als Hort der sportiven Austragung, wirst du Publikum IM SUB-System des Sports, bist nicht mehr massenmediales Publikum, beobachtest nicht länger vermittelst der Massenmedien, sondern nimmst an „stadionaler Kommunikation“ direkt teil und erscheinst, um es zu toppen, dem Massenmedien-Publikum gar als Sport-Publikum. Und wenn du die Fußballschuhe schnürst, wirst du wiederum Leistungsrollenträger im Subsystem Sport, ganz gleich des Grads der Leistung 🙂 😀

    Nicht mit systemtheoretischen Worten, aber dem Prinzip nach über verschwiegene Exklusionen im Subsystem des Rechts, Zitat: „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, heißt es. Stimmt aber nicht, sagt Ronen Steinke. Denn unser Justizsystem werde immer ungerechter. Warum? Darüber spricht der Journalist und Jurist in der Redezeit. Moderation: Julia Schöning “
    https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-neugier-genuegt-redezeit/audio-klassenjustiz-in-deutschland–ronen-steinke-100.html
    Da man an Leistungsrollenträger*innen im Subsystem Recht neoliberal einsparte, fällt es vielen zunehmend schwer und wird es zunehmend schwergemacht, an den subsystemischen Kommunikationen teilhaben zu können, als Partizipant die Rolle kompetent ausüben zu können mangels Wissen um den gepflegten Kommunikationsstil. Und dafür angedachten, formal vorgesehene Hilfestellungen werden mangels dafür angedachten und vorgesehenen Personals erst gar nicht bereitgestellt. Homo faber…

    Oder: Soziologe Dierk Spreen im nur anempfehlenswerten MEORANDA_Podcast über Raumfahrt und SF
    https://www.memoranda.eu/?podcast=folge-20-dierk-spreen-ueber-raumfahrt-und-science-fiction
    Hier macht er die Publikums- und Leistungs(träger)rollen am Beispiel der Raumfahrt deutlich, wo bisher ausschließlich Leistungsrollen besetzt wurden bei den Astronaut*innen und allem übrigen Personal drumrum; neuerdings die ökonomische Eroberung des Weltraums mit Touristen einhergeht, die es diesbzgl. (außer finanziell) leistungslos können, ohne für das Betreiben notwendige Leistung aufbringen zu müssen. Sie sind als Publikum des Subsystems Raumfahrt (je nach Zählung das mindestens dann dreizehnte!) dabei, aber nicht integral fürs Funktionieren. Da man zuvor massenmedial (v.a. neue Plattformmedien) bereits so viel näher denn je vermeintlich „dabei“ war, die Raumfahrt bei Interesse vielfältig präsentiert und (marketingfreundlich) inszeniert bekommt, fühlte man sich ohnehin schon wie involviert, obwohl man bis dahin immer nur Publikum des Subsystems Massenmedien war. Bei guter Portokasse nun auch ein Publikum ein Subsystem weiter;-)
    Genauer zum Verhältnis von Raumfahrt und Gesellschaft im PhiloRadio
    https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-das-philosophische-radio/audio-zugehoerig—der-weltraum-100.html

    Vorerst: Ground control, over and out
    Dominic

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